Monday, May 11, 2009

Tipps fürs Schreiben von Hausarbeiten, Abschlussarbeiten und Co.

Cited from: Unicum.de

Schreiben ohne Hemmungen

Protokolle, Thesenpapiere, Hausarbeiten - Studenten schreiben viel: Doch manchmal hakt es, man sitzt vor dem Rechner und kommt nichtweiter. Schreibpädagogin Andrea Behnke zeigt, wie „Schreiben im Studium" leichter von der Hand geht. Start einer neuen UNICUM Serie.

Schreibprozess

Schreiben ist keine Kunst, sondern ein Prozess. Das heißt: Niemand braucht (und kann) auf Knopfdruck einen fertigen Text produzieren. Gute Texte purzeln nicht aus dem Computer, sondern sind das Ergebnis mehrerer Arbeitsphasen. Im wahrsten Sinn des Wortes „Step by Step" kommt man seinem Ziel näher. Am Anfang steht der Gedanke: Oftmals beginnt der Schreibprozess im Kopf oder im Bauch - wir gehen mit Ideen schwanger. Es folgt - je nach Text - eine Phase der Informationssuche, der Recherche; hier wird das Textprojekt greifbarer. Anschließend bekommt das Ganze eine (grobe und veränderbare) Struktur. Materialsichtung und Konzeption fallen in diesen Arbeitsabschnitt. Langsam kann man die Frage beantworten, was für den Text wichtig ist und was nicht. Der Text erhält ein Gerüst. Damit man nicht unter Druck gerät, sollte nun auch ein Zeitplan erstellt werden.

Jetzt geht's ans Schreiben! Alles, was man sich bisher zu seinem Thema erarbeitet hat, wandert nun in roter Faden, wird aber hier und da noch angepasst. Die Inhalte nehmen Form an - aber nichts muss jetzt perfekt sein! Es geht um eine erste, nicht druckreife, Rohfassung. Dank des Computers sind spätere Änderungen ja kein Problem.

Anschließend kommt das Geschriebene auf den Prüfstand, hier wird er auch mit den Augen des Lesers und der Leserin gesehen. Wo spricht das Geschriebene die Adressaten an, was muss geändert werden? An der ersten Textfassung wird gefeilt, bis sie rund und stimmig ist. Aufbauden Text. Die Gliederung dient als und Logik werden geprüft, ebenso Lesefreundlichkeit, Verständlichkeit, Satzbau und Wortwahl. Spätestens in dieser Phase ist es gut, sich Feedback einzuholen. Denn jemand, der nicht im Thema steckt, liest den Text völlig unvoreingenommen und kann hilfreiche Hinweise geben. Zu guter Letzt heißt es korrigieren. Im Grunde ist der Text fertig, jetzt fehlt nur noch der letzte Schliff. Es geht dem Fehlerteufel an den Kragen. Das heißt: Rechtschreib- und Grammatikfehler und Fehler in der Zeichensetzung sollten verbannt werden. Im Zweifel den Text noch einmal gegenlesen lassen.

In der Realität können sich die einzelnen Phasen überlappen, oder der eine oder andere Schritt fällt ganz kurz aus. Auch ist der Schreibprozess keine Einbahnstraße - zurückgehen ist durchaus erlaubt. Gerade bei längeren Texten lohnt es sich, allen Phasen Zeit einzuräumen.

Schreibblockaden

In jeder Arbeitsphase kann es passieren, dass sich eine Schreibhürde in den Weg stellt. So kurios es sich anhören mag: Hier hilft vor allem eines: sie schreibend zu überspringen. Natürlich nicht an dem Punkt, an dem man feststeckt. Hilfreicher ist es, sich einer anderen Aufgabe zu widmen, zum Beispiel einem anderen Kapitel.

Wenn gar nichts mehr geht, wirkt eine andere (nicht-wissenschaftliche) Textgattung oft Wunder. Wie wäre es zum Beispiel, über die Schreibhemmung zu schreiben - vielleicht sogar in der „Ich-Form", nach dem Motto "Ich bin die Schreibhemmung von XY", gerne auch gereimt. Oder einen Dialog mit dem „Inneren Kritiker"verfassen, oder einen Brief, in dem man eben jenen kräftig anmeckert.

Eine gute Methode ist das so genannte Freewriting, auch „Automatisches Schreiben" genannt. Dabei schreibt man am besten mit der Hand, ohne nachzudenken, zehn Minuten am Stück - keine Pause machen, der Stift wird nicht abgesetzt! Sollte einem nichts mehr einfallen, so schreibt man die Frage „Was noch?" oder wiederholt das letzte Wort, und zwar so lange, bis die Sätze wieder aus der Feder fließen. Sollten extrem störende Gedanken das Schreiben durchkreuzen, so kann man sie auf einem zweiten Blatt notieren. Wichtig: Das Geschriebene wird weder gelesen noch korrigiert, es wird nur „nach vorne" geschrieben.

Freewriting kann auch gut ein morgendliches Ritual werden, um in den Schreibfluss zu kommen. Sich in dieser Form nach dem Frühstück (oder wann es auch immer stressfrei unterzubringen ist) warm zu schreiben, nimmt dem Schreiben nicht nur jeden Schrecken, sondern macht auch Spaß!

Schreibtypen

Schreiben ist etwas Individuelles - so gibt es verschiedene Schreibtypen. Die Geschichtenerzählerinnen und -erzähler planen nicht groß, sondern fangen einfach an und schreiben oft in einem Zug durch. Gerade bei längeren Texten finden sie ihre Texte schon mal etwas „strubbelig" und müssen sie nachträglich glatt kämmen. Das kostet sie Zeit und manchmal leider auch Lust... Die Jäger und Sammlerinnen sind das genaue Gegenteil: Sie recherchieren viel und planen den Text bis ins letzte Detail. Die Gliederung steht, der Materialberg wächst - bloß aufs Papier kommt nichts. Irgendwann fühlen sie sich erschlagen und geben auch schon mal auf.

Die Kritikerinnen und Kritiker schreiben auch nach Plan, kommen aber trotzdem nur sehr langsam vorwärts. Denn: Kaum ist ein Satz auf dem Papier, finden sie ihn schon wieder schlecht. Zwei Sätze vor, einen Satz zurück, die Freude am Schreiben hat ihnen der innere Zensor schon lange genommen. Die Puzzlefreaks haben das große Bild vor sich und setzen es aus einzelnen Teilchen zusammen. Die Textstruktur ist ihnen weitgehend klar, dann recherchieren sie hier, schreiben dort, so dass sich nach und nach alle Lücken füllen. Die Nahtstellen müssen später noch ein wenig ausgebessert werden.

Wissenschaftlich ausgedrückt, gibt es letztlich zwei grundlegende Schreibmuster: „top-down" oder „bottom-up". Top-down-Schreibende basteln erst eine Gliederung, an der sie sich beim Schreiben orientieren. Bottom-up-Schreibende hingegen kommen übers Schreiben zur Textstruktur.


Themen für die Abschlussarbeit finden

Vielen, die vor einer Haus- oder Examensarbeit sitzen, kennen das: Der (Blätter-)Wald ist so dicht, dass man völlig erschlagen wird. Umso wichtiger ist es, das Thema der Arbeit genau einzugrenzen. Nur so weiß man, wo es im Forschungsdschungel lang geht. Teil 2 der UNICUM Schreibwerkstatt.

Viele Studierende tun sich schwer damit, ein geeignetes Thema zu finden und es dann klar zu umreißen. Die Ursachen sind vielfältig: Ist das Thema fremdbestimmt, also von der Professorin oder vom Professor vorgegeben, kommt oft eine Distanz zum Schreibenden auf gepaart mit Verständnisproblemen und der Scheu, einfach nachzufragen.

Suchen sich die Studierenden ihr Thema selber, kann sowohl zu wenig als auch zu viel an (Vor-)Wissen, Ideen und Material zum Problem werden. Eine Falle, in die viele tappen: Das Thema ist zu allgemein gefasst, als dass es irgendjemand in der entsprechenden Zeit bewältigen kann.

Etlichen Schreiberinnen und Schreibern ist die Wichtigkeit des Themas auch gar nicht bewusst. Sie überlegen sich erst, wenn sie ganz zum Schluss der Arbeit ihre Einleitung schreiben, worum es in ihrem Werk eigentlich geht.

Dabei ist die so genannte Forschungsfrage das A und O: Mit einer Straßenkarte kommt man meistens besser zum Ziel. Wer weiß, wohin er fahren will, kann sich etliche Umwege und somit auch viel Zeit sparen. Die Forschungsfrage sorgt dafür, die Arbeit zu fokussieren nur wer die Fragen kennt, kann auch die Antworten finden.

Und wie komme ich zu meinem Thema? Gut ist es, wenn ich das gesamte Studium über in ein kleines Heft notiere, was mir in Seminaren aufgefallen ist, was ich noch wissen möchte, wo ich Widersprüche oder Ungeklärtes aufgespürt habe. Auf einen solchen Pool kann man dann zurückgreifen, wenn es an die Themenfindung für größere Arbeiten geht.

Thema eingrenzen

Bevor das Thema steht, kann ich natürlich auch ein wenig in der Literatur stöbern jedoch nur, um mich inspirieren zu lassen und nicht, um jetzt schon in die Tiefe zu gehen.

Per Brainstorming kann ich Einfälle auflisten und mittels Freewriting meinen unterbewussten Ideen-Ressourcen auf die Spur kommen. Dabei schreibe ich rund zehn Minuten ohne nachzudenken und ohne zu korrigieren zu einem Satzanfang oder einem Begriff.

Auch das serielle Schreiben kann helfen, Kreativität freizusetzen. Und zwar ergänze ich einen passenden Satzanfang zum Beispiel Am Fachgebiet XY interessiert mich besonders... zehn mal ganz schnell, ohne großartig ins Grübeln zu kommen. Um ein breites Thema fassbarer zu machen, bieten sich verschiedene Methoden an. So kann ich beispielsweise ganz viele Fragen an das Thema stellen.

Auch ein Cluster kann hilfreich sein, um ein Thema einzugrenzen. Hier setze ich den Oberbegriff in die Mitte und ziehe einen Kreis darum. Meine Einfälle schreibe ich wie Sonnenstrahlen rund um den Begriff. Jedes neue Wort (oder auch jeden Satz, jedes Gefühl, jeden Gedanken...) verbinde ich mit dem letzten und zwar so lange, bis mir zu diesem Strang nichts mehr einfällt. Dann wende ich mich wieder dem Mittelpunkt zu und assoziiere erneut. Meistens fallen in den Ästen direkt Kernbegriffe ins Auge, die das Oberthema eingrenzen. Sie können dann wiederum der Anfang für ein (fokussiertes) Freewriting sein.

Ein anderes System, ein Thema auszuloten, ist der Themenfächer: Hier wird ein Oberthema zum Beispiel Jugendarbeitslosigkeit immer weiter aufgedröselt. So könnte in der zweiten Ebene Hartz IV, Jugendberufshilfe und Ausbildungsplatzmangel stehen. Nehme ich Jugendberufshilfe als nächsten Ausgangspunkt, würde ich ein weiteres Mal konkretisieren. An den Begriff, der sich daraus ergibt möglicherweise Ausbildungsbegleitende Hilfen für junge Frauen stelle ich im Anschluss möglichst viele Fragen, die ich später in ganzen Sätzen beantworte.

Ein geeignetes Thema ist demnach so konkret wie möglich, das heißt, dass es nicht in einem Schlagwort erfasst werden kann, sondern einer genaueren Beschreibung bedarf. Beim Thema von eben zum Beispiel: Ausbildungsbegleitende Hilfe für junge Frauen am Beispiel von XY.

Wie es mit Thema weiter geht

Steht eine erste Forschungsfrage, gilt es zu schauen, welche Daten, Quellen und Materialien hilfreich sind und welche Theorien und Methoden herangezogen werden können. Das Thema muss handhabbar und lösbar sein. Es sollte neu sein, aber nicht so neu, dass man gar nichts dazu findet; aber auch kein Modethema, zu dem jeder schon etwas gesagt hat. Und: Natürlich sollte es einen persönlich interessieren, aber dennoch nicht zu persönlich sein. Dann verliert man nämlich oft die nötige Professionalität und neigt dazu, die Arbeit ausufern zu lassen.

Lesen geht über Fotokopieren

Der Bücherberg auf dem Schreibtisch wächst und wächst. Schnell entsteht das Gefühl, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Wie man sinnvoll mit dem Material für Haus- oder Examensarbeit umgeht, verrät Andrea Behnke im 3.Teil der UNICUM Schreibwerkstatt.

Es sind immer die gleichen Fragen, die vielen in Sachen Literatursuche zu schaffen machen: Welches Material brauche ich wirklich? Wie kann ich es einordnen? Und wie baue ich es in meine Arbeit ein? Denn letztlich ist es wichtig, dass die Arbeit eine eigene Stimme erhält also nicht nur Reproduktion, sondern Kreation ist gefragt. Schließlich geht es nicht darum, dem Prof zu zeigen, wie viel ich gelesen habe, sondern wie ich mit meinem Thema umgehe. Was zählt, ist Eigenleistung das bedeutet Qualität, nicht Quantität. Zunächst einmal sollte man frühzeitig in die Kunst der Recherche eintauchen. Die meisten Fachbereiche und auch die Hochschul-Bibliotheken bieten (fachspezifische) Veranstaltungen dazu an. Dort erklären Mitarbeiter den Umgang mit Literaturdatenbanken und traditionellen Hilfsmitteln wie Katalogen, Registern und Bibliographien.

Obwohl es sich banal anhört: Lesen geht über Fotokopieren. Etliche, die vor einer großen Schreibaufgabe stehen, verbringen mehr Zeit am Kopierer als am Schreibtisch � mit dem Ergebnis, dass die Schreibangst mit jedem Blatt Papier, das die Maschine ausspuckt, noch größer wird. Um nicht sofort von unzähligen Büchern erschlagen zu werden, sollte man zunächst ein aktuelles Standardwerk oder einige Fachaufsätze heranziehen. Wer mit einigen zentralen Quellen startet, verliert weder den Überblick, noch die Lust weiterzumachen. Und: Über die Literaturverzeichnisse finden sich oft viele weitere nützliche Literaturtipps.

Auf das richtige Lesen kommt es an, damit Gelesenes auch im Gedächtnis bleibt

Gerade bei dickeren Wälzern zeigt sich, wie hilfreich es ist, sich zuvor ausgiebig mit der Forschungsfrage beschäftigt zu haben. Denn kennt man sein Thema, ist selektives Lesen angesagt sprich, man überfliegt zunächst das Inhaltsverzeichnis, blättert kurz durch, liest Einleitung und Zusammenfassung und merkt schnell, welche Kapitel die Arbeit am eigenen Thema weiterbringen. Gut ist es auch, sich vorher Fragen zu stellen, die beim Lesen beantwortet werden sollen.

Apropos Lesen: Gemeint ist hier aktives Lesen. Wer ein Fachbuch so liest wie einen Roman also in einem Rutsch der hat nach einem Monat mindestens die Hälfte schon wieder vergessen. Auch Markieren mit Textmarkern und kleine Randbemerkungen reichen vor allem bei längeren Arbeiten nicht aus. Gemeint ist exzerpieren, also auswertend lesen. Das kann so aussehen: Kernpassagen werden mit eigenen Worten zusammen gefasst bestenfalls in ganzen Sätzen, denn das erleichtert die Weiterarbeit und schult schon jetzt die eigene Schreib-Stimme.

Darüber hinaus sollten die eigenen Gedanken schon beim Lesen freien Raum haben, das heißt schreibend denken. "Writing to learn" ist eine Denk-Strategie, die oftmals noch zu wenig Beachtung findet. Ein Tipp ist die so genannte Zwei- oder Dreispaltenmethode, bei der beispielsweise verschiedene Autoren und die eigene Meinung gegenüber gestellt werden.

Ratsam: Immer genau mit Seitenangaben festhalten, welches Exzerpt zu welcher Quelle gehört. Das erspart unnützes Nochmal-Lesen! Denn will man später etwas (wörtlich oder sinngemäß) zitieren, sind die genauen Fundstellen unerlässlich. Die Literaturverwaltung muss zu einem selber passen. Ob sie nun auf herkömmlichen Karteikarten oder elektronisch auf dem Computer passiert, ist nach wie vor Geschmackssache. Hauptsache, sie funktioniert!

Hilfreiches Extra: Das Exposé
Wenn das Thema festgezurrt ist und man auch schon ein wenig quer gelesen hat, sollte man sich die Zeit nehmen, ein Exposé zu erstellen als Abschluss der Planungsphase. Und zwar auch dann, wenn der Prof es nicht ausdrücklich fordert! Das bedeutet zwar zunächst ein Plus an Arbeit, spart aber später viel Zeit. Das Exposé gibt einen Überblick über das Schreibprojekt und ist eine gute Vorbereitung für spätere Gespräche mit dem Betreuer der Arbeit. Kurzum: Der oder die Schreibende erhält eine Orientierung über das, was ansteht Forschungsfrage, Unterfragen und Ziele der Arbeit werden dargelegt. Auch Methoden und erste Literaturfunde (in Form einer Liste) gehören hinein. In einem späteren Schritt kann dann die vorläufige Gliederung ergänzt werden. Eines gehört in jedem Fall auch dazu: Ein realistischer Zeitplan, der im Exposé fixiert wird.

Vom Knäuel im Kopf zum roten Faden

Die Forschungsfrage steht, das Material ist gesichtet – doch wie bringe ich Struktur in diesen ungeordneten Haufen? Wie erstelle ich eine Gliederung? Diese Frage bereitet vielen Studierenden Kopfzerbrechen, sobald sie den Wust an Büchern und Kopien vor sich sehen. Teil 4 unserer Schreibwerkstatt.

Wenn die Forschungsfrage – also die zentrale Frage, die in der schriftlichen Arbeit beantwortet werden soll – das Reiseziel ist, so ist die Gliederung die Reiseroute. Und eine solche Route ist nicht nur für die Betreuer der Arbeit da, damit klar ist, was der Studierende plant, sondern auch für die Schreiber selbst. Denn: Wer genau weiß, wie er fahren muss, kommt schneller und gelassener ans Ziel. Es lohnt sich also, ein wenig Zeit in ein gutes Inhaltsverzeichnis zu investieren – das erleichtert das spätere Schreiben ungemein.

Damit nicht schon jetzt die berühmte „Schere im Kopf“ zuschnappt, eines vorweg: Die erste Gliederung muss nicht die letzte sein! Zunächst geht es vielmehr um eine vorläufige Struktur, die in erster Linie eine Unterstützung für den Studierenden sein soll. Später wird sie immer wieder überarbeitet; es ist wichtig, offen für neue Ideen und Impulse zu bleiben.

In einem ersten Schritt gilt es, die Forschungsfrage in sinnvolle Teilfragen aufzusplitten. Jeder einzelne Unterpunkt dient demnach dem zentralen Thema. Eine Gliederung sollte nicht mit zu vielen Punkten überfrachtet und strubbelig gemacht werden, sondern, im Gegenteil, Strubbeliges glätten. Das Gute: Wer sich bereits mit der Forschungsfrage beschäftigt hat, ist schon im Thema und hat viel Vorarbeit geleistet.

Wer genau weiß, wie er fahren muss, kommt gelassener ans Ziel

Eine gute Methode, zu Unterfragen zu kommen, ist das so genannte Clustering. Dabei nimmt man sich ein großes Blatt Papier im Querformat und schreibt den Kernbegriff in die Mitte. Dann lässt man sich einfach treiben, wie es Gabriele L. Rico, die Erfi nderin dieser Methode, empfiehlt. Man schreibt die Einfälle wie Sonnenstrahlen rund um den Begriff. Jedes neue Wort (oder auch jeden Satz, jedes Gefühl, jeden Gedanken...) verbindet man mit dem letzten – und zwar so lange, bis einem zu diesem Strang nichts mehr einfällt. Dann wendet man sich wieder dem Kern zu und assoziiert erneut. So entsteht ein Netz von Ideen. Clustern darf nicht zu Stress führen, sobald sich der Kopf zu sehr einschaltet, sollte man aufhören.

Das Material, das so durch das Assoziieren entstanden ist, kann man nun nach Schlüsselbegriffen ordnen. Empfehlenswert ist es, zu jedem Punkt einen kleinen Rohtext von zwei bis drei Sätzen zu schreiben. Denn: So werden Brüche im Ablauf schneller deutlich. Und man taucht schon richtig in die Arbeit ein, lernt dabei Einiges und kommt schon langsam in den Schreibprozess. Anschließend sollte man sich ein paar Gedanken darüber machen, welches Material und welche Methode zu welchem Unterkapitel passt, wie viel Zeit man für jedes Unterkapitel hat und wie lang die Kapitel werden sollen, damit der Gesamtumfang der Arbeit nicht gesprengt wird.

Die Gliederung dient als roter Faden, der die Leser durch die Arbeit führt. In manchen Ratgebern werden Standardgliederungen vorgestellt: zum Beispiel vom Allgemeinen zum Besonderen oder, wenn es sich anbietet, chronologisch. Bestenfalls bekommt die Arbeit aber eine ganz einzigartige innere Logik und so eine eigene Stimme. Das Knäuel im Kopf des Schreibenden muss jedoch so entwirrt werden, dass ein Außenstehender das, was auf dem Papier landet, verstehen kann. Während Gedanken im Gehirn völlig ungeordnet nebeneinander Platz haben, muss auf dem Papier eine lineare Struktur entstehen. Dass der Faden zwischendurch immer mal wieder ein paar Knoten bekommt, die erst gelöst werden müssen, ist völlig normal. Nur so kann eine kreative Arbeit entstehen.

Wer hat Angst vorm leeren Word-Dokument?

Egal ob Bachelor- oder Diplomarbeit, das Schwierigste ist der Anfang. Wie ihr dem Schreiben den Schrecken nehmt und es nicht zur Quälerei wird, verraten wir euch im fünften Teil unserer Schreibberatung.

Schreibblockaden entstehen oft, wenn die Ansprüche an sich und den Text zu hoch sind. Oder, wenn man sich in Details verstrickt. Beides zeigt sich häufig dann, wenn nach der Planungsphase das eigentliche Schreiben ansteht.

Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass der Erstentwurf nicht umsonst so heißt: Es ist ein erster Entwurf, ein so genannter Rohtext, der später noch wie ein Diamant geschliffen werden muss – was dank des Computers auch gar kein Problem ist. Die ersten Textversionen richten sich noch nicht an die späteren Leser (oder an den Professor), sondern dienen vielmehr dazu, dass die Arbeit für den Schreibenden mehr und mehr an Form und Klarheit gewinnt. Soll nämlich etwas aufgeschrieben werden, zeigen sich inhaltliche Probleme. Somit dient der Rohtext auch einer inhaltlichen Schärfung und einer gedanklichen Ordnung.

Das Wichtigste in dieser Phase ist, überhaupt etwas zu Papier zu bringen. Schreiben ist ein äußerst komplexer Vorgang – hier und da kann es haken. Sollte das der Fall sein, muss man schauen, wo das Problem genau liegt. Vielleicht stimmt die Struktur der Arbeit noch nicht? Habe ich selber etwas nicht verstanden? Fehlt mir noch Material? Setze ich mich zu sehr unter Druck? Habe ich Zeitprobleme? Lenken mich andere Dinge ab?

Schreibarbeit ist wie ein Büffet – die richtigen Häppchen machen's

All diese Faktoren wirken auf den Schreibprozess. Nicht vergessen: Für Rohtexte sollte man viel Zeit – und ebenso wichtig: Pausen – einplanen. Der Zeitplan muss realistisch sein. Wer nicht den Überblick verlieren will, sollte die Schreibarbeit portionieren: Kleine Häppchen sind besser verdaulich. Und wie an einem Büffet muss man nicht mit der ersten Speise – also der Einleitung oder dem ersten Kapitel – beginnen. Eine gute Gliederung und ausreichende Planung erlauben es zum Beispiel, mit zentralen Textstellen zu starten. Oft ergeben sich daraus die anderen.

Unbedingt sollte man sich von dem Gedanken frei machen, dass der Text direkt druckreif sein muss. Im Gegenteil: In dieser Phase geht es nur um einen Text, der nur für den Schreibenden selbst bestimmt ist. Daher ist es durchaus erlaubt und für viele leichter, in der Ich-Form zu schreiben. Alle Formalia kommen später. Das nimmt die Angst und die „Ehrfurcht“ vor dem Text. Manchem hilft es, Texte erst einmal laut zu sprechen und dann genau so aufzuschreiben. Schreiben wie man spricht eben. Es reicht bei Rohtexten, ganz einfach zu formulieren. Sich hier an einzelnen Worten festzubeißen, frustriert nur und raubt unnötig wertvolle Zeit. Rohtexte sollen nicht sofort umgeschrieben werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass man sich schnell verzettelt.

Wer den Geist „Hausarbeit“ oder „Examensarbeit“ so gar nicht aus dem Kopf bekommt, kann auch die Textgattung wechseln: Warum nicht Teile der Arbeit zunächst als E-Mail oder Brief an einen Freund schreiben? Oder erst einmal einfach aufschreiben, was man in dem Kapitel machen möchte. Sollte sich die Schere im Kopf dennoch immer wieder melden, kann man auch kurzzeitig ganz aus der Arbeit aussteigen und ein (schriftliches) Interview mit dem inneren Zensor führen. Das kann entlasten und den Weg frei machen fürs Weiterschreiben. Die folgende Schreibarbeit kann dann gut mit zehn Minuten Freewriting eingeleitet werden, das heißt, zehn Minuten schreiben ohne abzusetzen und ohne das Geschriebene noch einmal zu lesen. Durchstreichen verboten! Dieses „Automatische Schreiben“ überlistet das leere Blatt sehr wirkungsvoll und zeigt, wie viel Text in kurzer Zeit produziert werden kann.

Der letzte Schliff für die Haus- und Abschlussarbeit

Der erste Entwurf der Bachelor- oder Hausarbeit steht. Nun kommt der letzte wichtige Schritt: Die Überarbeitung, der letzte Schliff. Tipps hierfür bietet der sechste und letzte Teil unserer Schreibberatung.

Keine Frage: Wer den Rohtext geschafft hat, hat sich eine kleine Belohnung und vor allem auch ein paar freie Tage zum Durchatmen verdient! Ohnehin ist es besser, erst mit etwas Distanz zum Text mit der Überarbeitung zu starten. Die Überarbeitung braucht Zeit, da auch zwischendrin ein wenig Abstand gut tut. Also: Ausreichend Zeit einplanen! Die Faustformel lautet: Die Überarbeitung dauert genauso lange wie das Schreiben zuvor.

Dass in dem Begriff Überarbeitung das Wort „Arbeit“ drin steckt, kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich muss man in dieser Phase noch einmal richtig ran. Während Rohtexte, wenn man erst einmal im Schreibfl uss ist, leicht von der Hand gehen können, ist hier Kleinarbeit gefragt, um den großen Wurf salonfähig zu machen. Liest man sich seinen Entwurf das erste Mal durch, kann das frustrierend sein. Doch Schreiben heißt eben vor allem überarbeiten. Und es ist doch toll, dass man schon so viel zu Papier gebracht hat.


Der Rohtext ist ein Lockenkopf mit vielen Nestern, der jetzt erst einmal liebevoll ausgekämmt und in Frisur gebracht werden muss. Vielleicht muss man sogar noch die Haarlänge kürzen, Zöpfe fl echten und hier und da eine Spange ins Haar stecken.

Während der Rohtext so genannte „writer-based prose“ (das heißt ein „Ich-Text“) ist, muss das Geschriebene in der Überarbeitung in „reader-based prose“ (in einen „Du-Text“) verwandelt werden. Nun gilt es, die Leserinnen und Leser ins Auge zu fassen – hier kommt das spätere Publikum ins Spiel. Daher muss man sich als erstes klar werden, wer die Zielgruppe des Textes überhaupt ist. Und um welche Textsorte handelt es sich? Welche Funktionen soll diese Textsorte erfüllen? Ein Protokoll beispielsweise hat ganz andere „Gesetze“ als eine Hausarbeit.

Was braucht ein Leser, um den Text zu verstehen? Bei längeren wissenschaftlichen Texten sind das auf jeden Fall: Eine Einleitung und Einführung in das Thema und die Forschungsfrage, einen Wegweiser durch das, was folgt, und einen roten Faden. Im Klartext: Die Argumente müssen nachvollziehbar, die Überleitungen zwischen den Kapiteln und den einzelnen Sinneinheiten schlüssig sein.

Spätestens an diesem Punkt ist es wichtig, sich externes Textfeedback einzuholen, zum Beispiel in Form eines Peer-Feedbacks. Das können Mitstudierende sein und auch Menschen, die mit dem eigenen Fach oder gar mit dem Uni-Leben nicht viel zu tun haben. Beide Blickwinkel können die Augen für Schwachstellen öffnen. Diejenigen, die Rückmeldungen zum Text geben, sollten Leitfragen an die Hand bekommen. Worauf sollen sie beim Lesen des Textes besonders achten? Im Vorteil ist, wer frühzeitig eine Schreibgruppe gründet oder sich einer solchen anschließt. Das motiviert!

Mit Textfeedback im Gepäck geht’s dann in die nächste Runde: Hier besteht schnell die Gefahr, sich zu überfordern. Daher sollte man die Aufgaben in Portionen einteilen. Erst sollte der Text inhaltlich und strukturell, dann sprachlich unter die Lupe genommen werden. Und zwar – nachdem das „Haar“ einmal grob durchgekämmt wurde – in kleinen „Haarsträhnen“. Dann ziept es auch nicht so sehr, also Kapitel für Kapitel, Unterkapitel für Unterkapitel, Absatz für Absatz. Satzbau und Wortwahl werden erst ganz zum Schluss untersucht. Die Kernfrage lautet: Trägt dieser (Ab-)Satz wirklich zur Beantwortung der Grundfrage des jeweiligen Kapitels bei? Ist alles logisch und nachvollziehbar?

Gerade wenn es um den Sprach-Check geht, hilft es, den Text auszudrucken und auf dem Papier zu überarbeiten. Oder sogar laut zu vorzulesen; da fallen Unstimmigkeiten noch mehr auf. Und nicht vergessen: Immer wieder Pausen einbauen, um nicht zu verkrampfen.

Korrekturphase
Nach der Überarbeitung, der Redaktion, folgt die Korrektur – da geht es dann wirklich um Rechtschreibung, Grammatik, Tippfehler und einheitliche Form. In diese Phase sollte auf jeden Fall jemand helfen. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Irgendwann ist dann auch die letzte Nachtschicht vorbei, dann heißt es: Loslassen! Auch wenn eine innere Stimme immer wieder „Du bist noch nicht fertig“ flüstert, sollte man sich vor Endlos-Korrekturschleifen hüten. Niemand ist perfekt!

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